Suzhou – Das Venedig von China

Die chinesische Stadt Suzhou liegt etwa 90 Kilometer westlich von Shanghai. Sie wird auch „Venedig von China“ genannt und das hat durchaus seine Berechtigung. Mehrere Tage lang durfte ich die Stadt gemeinsam mit einigen Bloggerkollegen erkunden und fand ein authentisches und liebenswertes Fleckchen Erde vor.

Das erste Mal China. Ich habe gewisse Bilder und Vorstellungen im Kopf, die vorwiegend durch die Medien entstanden sind. Nun möchte ich mir mein eigenes Bild machen. Möchte China selbst sehen und erleben. Direkt nach der Landung in Shanghai besteigen wir unseren Bus und fädeln uns in den Verkehr in Richtung Westen ein. In Richtung Suzhou, dem Venedig von China.

Zwei Stunden dauert die Fahrt bis wir langsam die gewaltigen und modernenen Hochhäuser von Suzhou erblicken. Auf den ersten Blick scheint sich die Stadt gar nicht so sehr von Shanghai zu unterscheiden. Mit 15 Millionen Einwohnern, die sich nicht nur auf den Stadtkern selbst, sondern auch auf die Umgebung verteilen, ist Suzhou ohne Zweifel ein Koloss. Der Titel „Venedig von China“ erscheint auf den ersten Blick absurd. Umso mehr freue ich mich herauszufinden, was es damit auf sich hat.

Abendlicher Spaziergang in der Pingjiang Road

Kaum haben wir uns im Hotel frisch gemacht und ein typisch chinesisches Abendessen eingenommen, begeben wir uns direkt in kleinen Gruppen auf Erkundungstour. Ganz in der Nähe des Hotels liegt die historisch bedeutsame Pingjiang Road direkt am gleichnamigen Fluss. Sie ist über 800 Jahre alt und geht auf die Song Dynastie zurück. Damals war es eine wichtige Hauptstraße, während es sich heute eher um eine kleine und urige Gasse handelt. Kleine Geschäfte, Essensstände, Cafés und Teehäuser zieren das Straßenbild, während das eine oder andere Böötchen auf dem Fluss dem ersten Eindruck noch das i-Tüpfelchen aufsetzt. Draußen ist es bereits dunkel und die Beleuchtung und die typisch chinesischen roten Lampions zaubern eine besonders schöne Atmosphäre.

Während wir gut gelaunt und voller Entdeckerdrang über die Straße flanieren, uns an den kleinen Details nicht sattsehen können und ständig unsere Smartphones oder Kameras zücken, sind wir gleichzeitig ein Highlight für die Chinesen, denn tatsächlich sind wir hier die einzigen europäischen Touristen. Sie fotografieren und filmen uns heimlich und wir amüsieren uns über den Rollentausch. Denn wenn wir ehrlich sind, dann hat sich jeder von uns schon einmal über die exzessiv fotografierenden Chinesen und Japaner in Europa amüsiert. Nun nehmen wir diese Rolle in China ein.

Mudu Wasserstadt, Garten des bescheidenen Beamten und Garten des Meisters der Netze

Am nächsten Tag lernen wir die grüne Seite Suzhous kennen, denn wir widmen uns den Gärten der Stadt. In Mudu flanieren wir an den Kanälen entlang, schauen bei der Produktion von Ingwer-Bonbons zu und landen schließlich im bezauberhaften Privatgarten der Familie Yan. Ein wunderschönes Beispiel chinesischer Gartenkunst mit schönen Pavillons, Fischteichen und einer üppigen und saftig grünen Natur.


Anschließend besuchen wir den Zhuozheng-Garten oder auch „Garten des bescheidenen Beamten“ genannt. Er gehört zu den schönsten Gärten in China und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Auf mehr als 52.000 m² erstreckt sich dieser wunderschöner Garten, der durch traditionelle Häuschen und Pavillons sowie durch Lotusteiche und klassische Brücken gekennzeichnet ist. Ohne Zweifel eine Oase der Ruhe, die sich am besten in den frühen Stunden des Tages genießen lässt, bevor die Touristenströme einfallen. Der Garten des bescheidenen Beamten stammt aus der Ming Dynastie und wurde im Jahr 1509 erbaut.

Gegen Abend erwartet uns schließlich eine traditionell chinesische Aufführung in mehreren Akten. Schauplatz des Geschehens ist der Wangshi-Garten, der auf Deutsch „Garten des Meisters der Netze“ heißt und eine wunderschön beleuchtete Kulisse abgibt. Mit seinen rund 4.000 m² ist der Garten recht klein und stammt aus der Song Dynastie. Erbaut wurde er im Jahr 1440. Auch hier spielen wieder Teiche, kleine Holzbrücken und Pavillons eine große Rolle und kreieren ein typisch chinesisches Ambiente. Unser Abendprogramm wird in verschiedenen Bereichen aufgeführt, sodass wir von einer zur nächsten Location wandern und uns einen guten Einblick in die Anlage verschaffen können.

Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal und Spaziergang durch die Altstadt

Das Highlight meines Besuches in Suzhou ist sicherlich die Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal mit anschließendem Spaziergang durch die Altstadt. Das Suzhou eine Wasserstadt ist, die durch Kanäle gekennzeichnet ist, wird sehr schnell klar, wenn man einige Tage in der Stadt verbringt. Der Begriff „Venedig von China“ kommt jedoch erst dann zu seiner vollen Tragweite, wenn man selbst in einer kleinen Gondel sitzt und die Stadt vom Wasser aus erkundet. Der Kaiserkanal hat eine Länge von mehr als 1.800 Kilometern und gilt als die längste Wasserstraße der Welt, die je von Menschenhand geschaffen wurde. Er zieht sich vom Norden Chinas über Suzhou bis nach Hangzhou. Seit 2014 ist der Kaiserkanal UNESCO-Welterbe. Während wir es uns auf unserem kleinen Boot gemütlich machen, bekommen wir einen Einblick in das klassische und traditionelle Suzhou. Wir erblicken Einheimische bei ihrem täglichen Leben, passieren kleine und alte Häuschen und Brücken und wenn ich nicht wüsste, dass nur wenige Kilometer weiter die überdimensionalen Hochhäuser von Suzhou stehen und dort das moderne Leben tobt, so würde ich glauben, in der Zeit zurückgereist zu sein. In der Altstadt steigen wir vom Boot und strömen aus in die kleinen Gassen, die mit roten Lampions geschmückt sind und unmissverständlich klarmachen: Du bist in China!

Besuch der Markthalle an der Shantangjie

Einheimische Märkte bieten einen guten Einblick in die Kochtöpfe des jeweiligen Landes. So auch hier. Völlige Reizüberflutung in Form von Obst und Gemüse, das ich teilweise noch nie gesehen habe, geschweige denn benennen könnte, bietet sich hier ebenso, wie Fleisch und Fisch in Form von gewürzten Hühnerfüßen, schwarzem Hähnchenfleisch, lebendigen Aalen, Sepia und, und, und. Irgendjemand aus unserer Truppe sagt es ganz treffend: „So frisch wie hier, bekommst du dein Essen nirgendwo!“

Seidenproduktion in Suzhou

Die Seitenproduktion nimmt eine lange Tradition in Suzhou ein und ist die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Wir besuchen das dort angesiedelte Seidennmuseum innerhalb einer bekannten Seidenspinnerei. Dort erfahren wir, wie Seide gesponnen wird, dürfen die empfindlichen und äußerst fleißigen Seidenraupen bei ihrer Lebensaufgabe beobachten und schauen den Arbeitern im Anschluss über die Schulter, wie sie die gesponnene Seide zu Produkten verarbeiten. Wer Seide mag, wähnt sich hier im Paradies, denn der Shop der Fabrik bietet alles, was das Herz eines Seidenliebhabers begehrt.

Chinesische Kunst und archäologische Ausgrabungen im Suzhou-Museum

Unser letzter Programmpunkt in Suzhou, das Suzhou-Museum, ermöglicht uns einen Einblick in die Kunst und Geschichte der Stadt sowie Chinas. In dem modernen Gebäude werden viele bedeutende Kunstwerke und archäologische Ausgrabungen sowie diverse buddhistische Heiligtümer beherbergt.

Tipps für den Aufenthalt in Suzhou

Essen in Suzhou

Obwohl ich mich nicht als Fan von chinesischem Essen bezeichne, muss ich die Auswahl und Frische der Speisen auf unserer Reise sehr loben. Auch als Vegetarier/Pescetarier bin ich auf meine Kosten gekommen und durfte neben Reis und Nudeln viele verschiedene Gemüsesorten und mehrfach den berühmten Eichhörnchenfisch kosten. Auch die köstliche chinesische Chili-Sauce hat es mir sehr angetan, sodass ich ein Glas davon auf einem Markt gekauft habe, um auch zuhause nicht mehr darauf verzichten zu müssen. Auf Delikatessen wie Schweinegesicht habe ich bewusst verzichtet, da ich kein Fleisch esse. Andere Reisebloggerkollegen haben sich dieses Geschmackserlebnis jedoch nicht nehmen lassen. Als besonderes Highlight ist mir das Restaurant Tongdexing, mit seiner köstlichen Nudelsuppe und den selbstgewählten Zutaten, in Erinnerung geblieben.

Schlafen in Suzhou

Geschlafen haben wir im Scholar Botique Hotel Pingjiangfu in fußläufiger Nähe zur Pingjiangfu Road. Das Hotel ist im chinesischen Stil gehalten und punktet mit seiner besonderen Atmosphäre, die ich als europäischer Tourist sehr angenehm und authentisch chinesisch fand.

Ich wurde von China Tours zu der Reise eingeladen. Vielen Dank dafür. Meine Meinung bleibt dadurch unberührt.

Kennst Du Suzhou, das sogenannte „Venedig von China“? Wie hat es Dir gefallen? Verrate es mir in einem Kommentar!